EMPLOYER ROUNDTABLE

Mit dem Interreg Projekt Garage 4.0 soll die Beständigkeit der Unternehmen, Arbeits- und Ausbildungsplätze im Automobilsektor durch entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote für die Zukunft gesichert werden.

Gleichzeitig entstehen neue Wirtschafts- und Vertriebsmodelle.

Die Planung und Organisation von Unternehmerrundtischen, die als Abendveranstaltungen stattfinden, beinhalten eine Einleitung, einen theoretischen Teil und vor allem Interaktion zwischen Unternehmern.

In lernenden Netzwerken arbeiten Unternehmer aus den verschiedenen Regionen zusammen.

 

Die Unternehmerrundtische finden in einen kleinem Rahmen statt und die Diskussionen sind vertraulich, um offene und dynamische Gespräche zu ermöglichen. Die Teilnehmer der Unternehmerrundtische erhalten einen Leitfaden, der ihnen bei ihren Managementaufgaben helfen soll.

Für die teilnehmenden Betriebe entstehen somit Win-win-Situationen und damit einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert dar.

Erfahrungsbericht Teilnehmer

Bei dieser Dokumentation handelt es sich um die Verschriftlichung des Interviews mit folgenden Interviewpartnern:

  • Herrn Renardy

  • Herrn Wermeester

  • Hernn Corman

 

Die Dokumentation soll als Erfahrungsbericht potenzielle Teilnehmer motivieren, in lernenden Netzwerk des Projektes Garage 4.0 mitzuwirken.

Guten Tag, die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. E-Mobilität ist auf dem Vormarsch, immer mehr Computertechnologie wird serienmäßig verbaut. Fahrerassistenz-Systeme sind eine Vorstufe zum autonomen Fahren. Die digitale Vernetzung von Fahrzeugen und Service-Zentren schreitet unaufhaltsam voran. Auf diese Entwicklungen und Veränderungen müssen sich die Kfz-Werkstätten einstellen. Deshalb wurde im Rahmen eines Interreg-Projekts „Garage 4.0“ die Idee geboren, die kleinen und mittelständischen Kfz-Betriebe zu unterstützen in Form eines lernenden Netzwerks.

Herr Renardy, Sie betreiben seit 1994 eine freie Werkstatt und haben mit sieben Kollegen, die ebenfalls Inhaber einer freien Werkstatt sind, an einem Unternehmerrundtisch über fünf Abende teilgenommen. Welche Erwartungen hatten Sie und die anderen Teilnehmer an dem Unternehmerrundtisch?

„Wie schon angesprochen wird der Kfz-Sektor in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen beispielsweise durch die Einführung von Elektrofahrzeugen usw. gestellt und jeder Unternehmer von kleinen und mittleren Unternehmen muss sich auf die Situation vorbereiten, d.h. es war eine gewisse Neugierde vorhanden, um zu sehen, wie die Kollegen mit diesen anstehenden Problemen umgehen werden. Alle Kollegen waren im Prinzip neugierig, was es so an Ideen gibt, um sich diesen neuen Herausforderungen zu stellen“.

Herr Wermeester, Sie betreiben seit 2016 eine freie Motorrad-Werkstatt und haben mit sieben Kollegen, die ebenfalls Inhaber einer freien Werkstatt sind, an einem Unternehmerrundtisch über fünf Abende teilgenommen. Welche Erwartungen hatten Sie und die anderen Teilnehmer an den Unternehmerrundtisch?

„Ich muss ehrlich gestehen, ich bin ohne Erwartungen in diese Runde gegangen. Ich war mehr gespannt auf den Austausch, der stattfinden wird zwischen den einzelnen Unternehmern“.

Herr Corman, Sie sind Geschäftsführer einer Vertragswerkstatt und haben mit sechs Kollegen, die ebenfalls Inhaber einer Vertragswerkstatt sind, an einem Unternehmerrundtisch über fünf Abende teilgenommen. Welche Erwartungen hatten Sie und die anderen Teilnehmer an dem Unternehmerrundtisch?

„Ich hatte keine konkreten Erwartungen“

 

Bei dem Treffen der Unternehmer von Freien Werkstätten ging es darum, dass die Gruppe unter der Leitung eines erfahrenen Moderators sich auf ein globales Thema einigt. Als Themenvorschläge mit Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie gab es zur Auswahl: Digitalisierung & Kundenprofil, Technologie & Betrieb, Generationsmanagement und Nachhaltigkeit & Ökologie. Auf welches Thema hat sich das lernende Netzwerk geeinigt?

„Wir haben uns schon beim ersten Treffen auf das Thema neue Geschäftsideen festgelegt“.

„Wir haben uns darauf geeinigt, Ideen für neue Geschäftsmodelle zu finden, um in der „digitalen -Zeit“ eine Lösung bzw. vielmehr ein Überleben der kleinen und mittelständischen freien Kfz-Werkstätten zu gewährleisten“.

 

Geht das etwas konkreter?

„Nehmen wir das Beispiel Elektrofahrzeuge: für die normalen Kfz-Werkstätten so wie sie heute bestehen, wird ein großer Teil der Arbeit wegfallen, d.h. wir haben keine Verbrennungsmotoren mehr, sprich eine Inspektion wird ganz anders aussehen: wir tauschen keine Zündkerzen, Luftfilter Ölfilter usw. mehr auch die ganze Abgasregelung wird wegfallen. Daher müssen wir uns neue Bereiche suchen, in denen wir unser Geld verdienen können, vor allen Dingen bei den Elektrofahrzeugen wird die Wartung nicht mehr so umfangreich sein, sie wird in etwa nur noch 50 % von den bisherigen Wartungsarbeiten betragen. Hinzu kommt, dass vielleicht diese Arbeiten von anderen Gewerken verrichtet werden. Deshalb müssen wir unseren Beruf festigen und uns auch andere neue Bereiche suchen, mit denen wir unser Geld verdienen können“.

 

Heißt das, dass man kurzfristig handeln muss?

„Nein, aber muss auf jeden Fall vorbereitet sein, keiner kann jetzt sagen, wo es hingehen wird. Diese Entwicklung kann sehr schnell gehen, es kann aber auch noch zehn Jahre in Anspruch nehmen, das weiß keiner. Die Politik hat sich für Elektroantrieb entschieden, ob das jetzt der richtige Weg ist und die richtige Entscheidung ist, kann keiner sagen, aber der Weg ist eingeschlagen worden, und wir müssen uns darauf einstellen, um auch noch in Zukunft für unsere Kunden da sein zu können“.

 

Wie fanden Sie die Situation, sich mit Kollegen (und gleichzeitig Mitbewerbern) aus der gleichen Branche zu treffen und mit ihnen zu dem Thema Neue Geschäftsideen“ - „Personal & Kunden“ auszutauschen?

„Es war schon nach kurzer Zeit klar, dass wir das Rad nicht neu erfinden werden, d.h. es gibt nicht die neue Geschäftsidee aber durch das Brainstormen haben wir Ideen austauschen können. Man könnte jetzt sagen, das sind alles Konkurrenten, deshalb muss ich vorsichtig sein mit meinen Ideen, sonst hab ich jetzt die Top-Idee und ein anderer nimmt sie mir weg, aber die Top-Idee wird es gar nicht geben, d.h. wir können uns nur gegenseitig unterstützen, Ideen gemeinsam weiter zu verfolgen, und das wird auch letzten Endes das sein, was kleine Unternehmer machen müssen, also sich zusammensetzen, sich gegenseitig helfen. Der eine oder andere wird sich spezialisieren, man wird zusammenarbeiten, deshalb muss ein Netzwerk her.

Das, was diese Abende als Frucht getragen haben, ist die Idee, ein Netzwerk aufzubauen, wir haben jetzt für den Anfang beschlossen, dass wir uns reih um in unseren Betrieben regelmäßig treffen werden, das hat jetzt einmal stattgefunden. Derjenige, der einlädt, stellt seinen Betrieb vor, dabei entwickelt man gegenseitig Verbesserungsvorschläge und sieht womöglich auch, mit dem Kollegen kann ich zusammenarbeiten, so soll's halt in Zukunft zwischen uns funktionieren, das ist das, was wir unter einem Netzwerk verstehen, sich gegenseitig helfen“.

„Die Idee ist ganz schön und interessant. Ich persönlich finde es manchmal gut, sich mit meinen Mitbewerbern über solche Themen zu unterhalten, da man durch Ideen der anderen seinen Horizont erweitern kann und vielleicht auf Sachen hingewiesen wird oder Ideen bekommt, die man selbst gar nicht so wahr nimmt (durch seinen „Alltagstrott“)“.

„Sehr bereichernd. Es war sehr schön mit anzusehen, dass man sich auf Augenhöhe in vertraulichem Rahmen austauschen konnte. Gleichzeitig wurde jedem bewusst, dass die Kollegen mit den gleichen Problemen bzw. Herausforderungen Konfrontiert sind“.

Wurde eine konkreter Lösungsansatz rund um das Thema „Neue Geschäftsideen“ - „Personal & Kunden“ erarbeitet?

„Nein, natürlich nicht. So etwas habe ich auch gar nicht vorausgesetzt. Niemand kann uns aus dem Stand das perfekte Geschäftsmodell für die Zukunft zeigen. Man ist aber wachsamer geworden und außerdem wurde man angeregt, seine Zukunftspläne stetig im Auge zu behalten und zu hinterfragen“.

„Ja. Wir einigten uns darauf, dass die Digitalisierung im Sales- und Aftersales-Bereich unumgänglich ist und eine Chance ist die Betriebe für die Zukunft zu rüsten“.

 

Die Zielsetzung der lernenden Netzwerke im Projekt ist es, die kleinen und mittleren Unternehmen im Kfz-Handel und -Handwerk zu unterstützen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Glauben Sie, dass diese Form der lernenden Netzwerke die Betriebe unterstützen kann, sich den Herausforderungen der zukünftigen Veränderungen im Geschäftsmodell des Automobilunternehmens zu stellen?

„Das Projekt der lernenden Netzwerke ist eine sehr gute Sache für kleine und mittlere Betriebe, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Wie schon eingangs erwähnt, hat das Netzwerk den Sinn, uns gegenseitig zu helfen, uns gegenseitig neue Techniken heranzutragen und gegenseitig vorzustellen Die neuen Entwicklungen im Kfz-Bereich sind manchmal sehr umfangreich und man kann die gar nicht alle nachverfolgen, bekommt man sie jedoch von Kollegen vorgestellt, so hat es eine lernende Funktion und man sieht auch, welche Themen momentan aktuell sind. Das verschafft einen Überblick und man kann dann dementsprechend reagieren, wenn diese Aufgaben auf einen selbst zu kommen“.

„Ja und Nein. Das Netzwerk ist ein schöner Austausch für Problemfälle, mittlerweile denke ich auch ein Ankerpunkt für einen Austausch von spezifischen Gerätschaften womit Investitionskosten der einzelnen Unternehmen sich in Grenzen halten können. Mit „Nein“ finde ich: wer die Entwicklung der Branche verschläft, sich seiner Sache zu sicher ist oder sich nicht spezialisiert, dem kann das Netzwerk auch nicht helfen“.

„Absolut. Diese Netzwerke helfen den Unternehmern, den Blick aus der Vogelperspektive auf ihr Unternehmen zu richten und sich selbst auch manchmal infrage zu stellen“.

 

Inwieweit hat die Teilnahme beim lernenden Netzwerk Sie motiviert, sich über ihre zukünftige Situation Ihres eigenen Betriebes Gedanken zu machen?

„Ich muss dazu sagen, dass ich 42 Jahre alt werde und die anderen Teilnehmer erheblich jünger waren, Anfang 20 sind. Für meinen Betrieb ist meine Zukunft gesichert, nach meiner Teilnahme an dem Unternehmerrundtisch habe ich meine Position noch mal überdenken können, bestehende Zweifel sind verschwunden, d.h. ich selbst betreibe ein Nischengeschäft durch die Reparatur von englischen Fahrzeugen und werde halt bis zu meiner Rente mein Geld damit verdienen können“.

„Es hat mich sehr motiviert, mir über meine zukünftige Situation Gedanken zu machen. Wie schon gesagt: das Netzwerk öffnet einem nochmal die Augen und regt an, wachsamer zu sein und ggf. vorbereitet zu sein oder schon diverse Veränderungen zu treffen, um mit der Modernisierung oder Digitalisierung im Kfz-Bereich zu gehen“.

„Durch meine Erfahrung und mein Werdegang in der Autobranche fühle ich mich meinen Kollegen bereits einen Schritt voraus. Ich hoffe ich konnte/kann dazu beitragen, dass meine Kollegen manche Dinge/Szenarien nun aus einem anderen Blickwinkel sehen“.

Arbeitet das Netzwerk nach den moderierten Abenden noch weiter?

„Ja das Netzwerk arbeitet weiter und trifft sich in regelmäßigen Abständen immer mal wieder, um verschiedene Sachen auszutauschen. Aktuell treffen wir uns abwechselnd in den verschiedenen Werkstätten der Teilnehmer, was sehr interessant ist, so kann man sehen, wie die anderen arbeiten und seine Arbeitsweise ggf. verbessern“.

„Ja, wir haben beschlossen uns weiterhin in regelmäßigen Abständen zu sehen. Dazu besuchen wir im Wechsel die Betriebe und schauen dabei hinter die Kulissen bei einer Betriebsführung“.

 

Können Sie anderen Unternehmern, die Teilnahme an einem Unternehmerrundtisch weiterempfehlen?

„Auf jeden Fall, denn für mich selbst, und dies schon seit Jahren, sind Netzwerke das A und O“.

 

„Ja, ich kann Unternehmern anraten, sich an diesen Runden zu beteiligen. Je größer das Netzwerk ist, desto mehr Ideen und einen größeren Austausch gibt es“.

„Man lernt aus der Erfahrung heraus und wo findet man den schon so viel Wissen und Erfahrung auf einmal? Ich kann jedem empfehlen an solch einem Austausch teilzunehmen“.

 

Herr Renardy, herzlichen Dank für das Gespräch.

Herr Wermeester, herzlichen Dank für das Gespräch.

Herr Corman, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

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